Nr. 1/2026
Am 9. und 10. Juni 2026 fand im Sporthotel Grünberg in Mittelhessen die traditionelle Jahrestagung der hessischen Arbeitsberichtsbarkeit statt. Neben den rund 100 Richterinnen und Richtern der sieben hessischen Arbeitsgerichte und des Hessischen Landesarbeitsgerichts nahmen am ersten Tag mehr als 100 Gäste aus Anwaltschaft, Verbänden und Gewerkschaften teil. Die Veranstaltung dient der gemeinsamen Fortbildung, dem fachlichen Austausch zu aktuellen arbeitsrechtlichen Fragestellungen und - am zweiten Tag - der Besprechung dienstlicher Themen.
Der öffentliche Teil der Tagung stand unter dem Motto „100 Jahre Arbeitsgerichtsgesetz - Bilanz und Ausblick“. Nach der Begrüßung durch den Präsidenten des Hessischen Landesarbeitsgerichts, Frank Woitaschek, diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der Richterschaft, der Anwaltschaft, der Arbeitgeberverbände und des gewerkschaftlichen Rechtsschutzes auf dem Podium über die Bedeutung und die Zukunft des arbeitsgerichtlichen Verfahrens. Dabei standen u.a. die Funktion der Güteverhandlung für die Schaffung von Rechtsfrieden sowie unterschiedliche Verfahrenspraktiken der Gerichte im Fokus. Kontrovers erörtert wurden zudem Chancen und Grenzen der Teilnahme an Güte- und Kammerterminen per Video. Die Diskussion verdeutlichte die anhaltende Bedeutung eines effektiven und zugleich bürgernahen arbeitsgerichtlichen Verfahrens.
Am Nachmittag wurden in Arbeitsgruppen aktuelle Fragen des arbeitsgerichtlichen Verfahrens vertieft. Einen besonderen Schlusspunkt setzte der Vortrag „Recht durch Verfahren“ von Dr. Silke Kohlschitter, Vizepräsidentin des Arbeitsgerichts Frankfurt am Main. In einer fiktiven Erzählung aus der Perspektive künftiger Generationen blickte sie auf die Entwicklung der Arbeitsgerichtsbarkeit zurück und rückte die Bedeutung des gerichtlichen Verfahrens für Rechtsstaatlichkeit, Akzeptanz und Rechtsfrieden in den Mittelpunkt.